Kritik Neuapostolische Kirche - Stammapostelamt Entstehung

Neuapostolische Kirche Kritik
Das Stammapostelamt – Entstehung

Einleitung

Die Neuapostolische Kirche – Das Stammapostelamt – Weinstock oder Baumstamm? Eine kritische Betrachtung unter Beachtung biblischer Fakten und aktueller Aussagen der Kirchenleitung!

Die Neuapostolische Kirche hat als einzige Kirche weltweit das sogenannte Stammapostelamt installiert. Das Stammapostelamt ist das höchste Amt und die höchste Autorität, die Neuapostolische Kirche wird von diesem Amt geführt und geleitet, ähnlich wie die Katholischen Kirche vom Papstamt. Was hat es mit diesem Amt auf sich, wie entstand es und welche Vollmachten hat dieses Stammapostelamt?

Das Stammapostelamt in der Neuapostolischen Kirche (NAK) spielt ähnlich wie das Papstamt in der Römisch-katholischen Kirche eine herausragende Rolle. Ohne dieses Amt wäre die Neuapostolische Kirche nicht die Kirche, die sie ist. Viele Sonderlehren sind ohne dieses Amt nicht denkbar. Was hat es mit diesem Amt auf sich, welches sind die Eigenschaften und Besonderheiten dieses Amtes gegenüber anderen kirchlichen Ämtern? Findet dieses Amt sein Vorbild im Neuen Testament? Kann man es biblisch legitimieren? Über diese und andere Fragen möchte diese Schrift Auskunft geben.

Entstehung und Bedeutung des Begriffs

Das neuapostolische Konzept

Woher kommt eigentlich die Bezeichnung Stammapostel? Auf diese Frage können auch viele Neuapostolische keine konkrete Antwort geben. Meistens wird auf die aktuelle Bedeutung hingewiesen.

Wie bei einem Baum, bei dem die einzelnen Äste aus dem Stamm hervorkommen und Blätter bilden, so bilden die unterschiedlichen Amtsstufen der NAK, welche aus dem Stammapostelamt (Stamm) hervorgehen die feiner werdenden Äste. Die Gemeindemitglieder hängen schließlich wie Blätter an den Amtsträgern (Ästen). Wer zu Jesus (Wurzel) kommen möchte, muss sich über die einzelnen Amtsstufen (Äste) mit dem Stammapostel (Stamm) verbinden.

Das biblische Prinzip

Im Gegensatz zum neuapostolischen Konzept der Beziehung zu Gott genauer gesagt Jesus steht das biblische Bild, welches uns Jesus selbst gegeben hat (2): „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ (3) – Joh. 15, 5

Beim biblischen Bild sind die Gläubigen direkt mit Jesus verbunden, in ihm verwurzelt. Dass dies nicht nur für die Jünger (Apostel) gilt, bestätigt Paulus: „Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt auch in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm (Jesus) und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, und seid darin überfließend mit Danksagung.“ – Kol. 2, 6f

Der Stammapostel will Jesus als Weinstock ersetzen

In deutlicher Missinterpretation der Heiligen Schrift bezieht der Stammapostel das Bild des Weinstocks auf sich, er sei nun der Weinstock: „Somit musste auch einer unter den Aposteln sein, der Amt und Geist empfangen hat, um als Weinstock dienen zu können (gemeint ist der Stammapostel, Anm. d. Verf.), aus dem die Reben (gemeint sind die Apostel, Anm. d. Verf.) als Neugeburt hervorgehen. So sind alle Apostel, die heute im Werke Gottes tätig sind, aus dem Stammapostelamt und Geist geboren und stehen fruchtbeladen als Reben an dem Weinstock“. (4) (5)

Man hat durch das Bild des Baumstammes nachträglich eine Bedeutung des Begriffs „Stammapostel“ definiert. Man verschleiert dadurch die eigentliche Herkunft des Begriffs. Zu Beginn der „apostolischen Bewegung“, in der Katholisch-apostolischen Kirche (KaK) und auch noch in der Allgemeinen christlich apostolischen Mission (AcaM) wurden die Arbeitsgebiete der einzelnen Apostel als Stämme bezeichnet. In Anlehnung an die zwölf Stämme Israels gab es zwölf Stämme (Arbeitsgebiete), für die jeweils ein Apostel zuständig war.

Die Katholisch-apostolischen Apostel waren kollegial untereinander verbunden. Jeder war ein Stammapostel, nämlich der Apostel für seinen Stamm (Arbeitsgebiet). Jedoch war der Begriff Stammapostel nicht gebräuchlich und hatte nicht die Bedeutung, welche er heute in der NAK hat. Auch die Apostel der nachfolgenden Abspaltungen bezeichneten ihr Arbeitsgebiet als Stamm und waren somit Stammapostel ihres Arbeitsgebietes. Hier einige Beispiele:

Katholisch-Apostolische Gemeinden:

– Cardale, Apostel für Stamm Juda (England)
– Drummond, für Apostel Stamm Benjamin (Schottland u. Schweiz)
– Carlyle, für Apostel Stamm Simeon (Norddeutschland)
– Usw.

Allgemeine christlich apostolische Mission / Hersteld Apostolische Zendingkerk:

– Schwarz, Apostel für Stamm Juda (Niederlande)
– Preuss, Apostel für Stamm Ephraim (Norddeutschland)
– Menkhoff, Apostel für Stamm Isaschar (Westfalen)

– Krebs Apostel für Stamm Ephraim (Norddeutschland)
– Usw.

In den Vorläufer-Gemeinschaften der NAK gab es neben den Aposteln für die Stämme (’Stammapostel‚) auch Stammbischöfe und Stammpropheten. Noch in der Apostolischen Gemeinde – also nach 1907 – gab es diese Stammbischöfe und Stammpropheten! Erst der Apostel Fritz (Friedrich) Krebs begann, die Macht an sich zu reißen und gab dem Begriff Stammapostel eine neue Bedeutung. Dies geschah nach der Abspaltung von der Allgemeinen christlichen apostolischen Mission (AcaM 1978) und nach dem Tode des Apostels Schwarz (1895). Es geschah u. a. durch die Übernahme eines Großteils der niederländischen Gemeinden der Hersteld Apostolischen Zendingkerk (HAZ) von Apostel Schwarz und durch den Ausschluss andersdenkender Apostel und Amtsträger (Hoppe, van Bemmel, Fischer).

Fritz Krebs schaffte das Kollegialitätsprinzip ab

Fritz Krebs schaffte das Kollegialitätsprinzip ab und machte sich zum ’Alleinherrscher‚ über die neu entstandenen apostolischen Gemeinden der sogenannten neuen Ordnung (erst ab 1907 Neuapostolische Gemeinde und ab 1921 Neuapostolische Kirche).

Ob Krebs selbst den Titel Stammapostel geführt hat, ist fraglich, da er in den Dokumenten und in der Literatur dieser Zeit nur einmal verwendet wird: „Die erste schriftliche Abhandlung über die Begründung und Entstehung des Stammapostelamtes ist die von Hermann Niehaus herausgegebene, ‚Haushaltung Gottes‘. Der Autor verbleibt jedoch in der Anonymität und selbst das Erscheinungsjahr ist fraglich. …

Der Autor ist offensichtlich der Initiator des Stammapostelamtes in der bis heute gültigen Form, denn er beschreibt die Entwicklung wie folgt: ,dem Schreiber dieser Zeilen waren alle diese Dinge (Einordnung der einzelnen Ämter in die Hierarchie /A.d.V.) nicht nur zum Gegenstand des täglichen Gebets geworden, sondern er musste auch unaufhörlich darüber nachdenken, damit Gott ihm Licht schenke und Abhilfe der Missstände schaffe. …

Nur eine Person kann und darf es sein, die dem Hausherrn gegenüber die volle Verantwortung trägt und dem alle anderen Amtsträger in ihrer gesetzten Ordnung verantwortlich sind und Gehorsam erweisen müssen, wenn Gottes Segen offenbar werden soll. Und diese Person ist einzig und allein der Stammapostel.‘ Da die Neuapostolische Kirche in allen offiziellen Schriften Krebs als Ersten, der die Amtsbezeichnung ‚Stammapostel‘ führte, bezeichnet, läge es nahe, ihn auch als Begründer und Autor der obigen Schrift zu vermuten. …

Fritz Krebs nannte sich noch nicht Stammapostel

Doch diesem Ansinnen widerspricht die Tatsache, dass die erste und einzige Nennung des Apostels Krebs als Stammapostel in den periodischen Schriften der Neuapostolischen Gemeinde im ‚Reisebericht über die Reisen der Apostel im Juli 1898‘ erfolgte. Auffallend ist auch, dass bis zum Tode des, ‚Einheitsvaters‘ Krebs diese Bezeichnung nicht mehr vorkommt, auch in seinem Nachruf wird nur vom ‚lieben Vater Krebs‘ geschrieben. Erst sein Nachfolger Hermann Niehaus wurde ab April 1906 vermehrt als ‚Einheits- und Stammapostel‘ erwähnt, und ab Dezember erhält den offiziellen Titel: ‚Hauptleiter und Stammapostel‘ der ‚Neu=apostolischen Gemeinden.‘“ (6)

Weiterlesen: Die Verherrlichung des Stammapostelamtes

© Lutz Jusko

Neuapostolische Kirche - Das Stammapostelamt Das Stammapostelprinzip

Das Stammapostelprinzip - Das neuapostolische Konzept

Weinstock mit Reben versus Neuapostolische Kirche Stammapostelamt

Weinstock mit Reben – Das biblische Prinzip

Neuapostolische Kirche Stammapostelamt Apostelkirche Albury

Apostelkirche in Albury 

Neuapostolische Kirche Stammapostelamt Fritz Friedrich Krebs

Stammapostel Friedrich (Fritz) Krebs 


Quellen:

1) Die Website www.nak-info.de wird unterstützt vom Projekt B. Das Projekt B ist eine konfessionell ungebundene private Initiative bibeltreuer Christen, zur Aufklärung über Sekten und Irrlehren sowie zur Verkündigung der frohen Botschaft von JESUS CHRISTUS.

2) Mit freundlicher Genehmigung von Frau Corinna Adam.

3) Wenn nicht anders gekennzeichnet, sind alle Bibelzitate der Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter in der dritten Revision (Schlachter 2000) entnommen.

4) J.G. Bischoff, Christi Jugend Nr. 22, 15.11.1948, S.170, zitiert nach: Erwin Meier-Widmer, Brief an einen Ex-Amtsträger, Schaffhausen, 9.6.1997

5) Alle Zitate wurden unkorrigiert übernommen

6) Karl-Eugen Siegel, Der Repräsentant des Herrn, Verlag Lachesis, Stuttgart 1995, S. 16f

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Die Welt der Neuapostolischen
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