Die neuapostolische Botschaft des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff

Neuapostolische Kirche Kritik – Die Botschaft des

Stammapostels Johann Gottfried Bischoff

Einleitung

In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts galt die sogenannte „Botschaft“ des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff (Zigarrenhändler & Schuhmacher) als das höchste Glaubensgut. Der Stammapostel, das höchste Amt der Neuapostolischen Kirche und oberste Instanz in allen Angelegenheiten, verkündete in hohem Alter er würde nicht mehr sterben, bis der Herr wiederkomme. Er behauptete, er habe diese Offenbarung direkt vom Herrn erhalten und es würde keinen Stammapostel mehr nach ihm geben. Doch am 6. Juli 1960 starb der Stammapostel, ohne, dass der Herr wiedergekommen war. Die neuapostolische Botschaft des Johann Gottfried Bischoff wurde zu einem Desaster der neuapostolischen Geschichte.

Diese Ereignisse liegen schon eine gewisse Zeit zurück. Doch sie haben Auswirkungen und Konsequenzen bis und die Gegenwart. Noch in den 1990er-Jahre wurde an der Göttlichkeit dieser „Botschaft“ seitens der Kirchenleitung festgehalten. Diese Botschaft galt als absolut Glaubens-verbindlich.


Die Botschaft war verbindlich

Weder die leiseste Kritik noch der kleinste Zweifel an der Botschaft wurden geduldet. Selbst zu schwacher Nachdruck in der Verkündigung dieser Botschaft seitens einiger Amtsträger führten zu Exkommunikationen. Tausenden wurden aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossen oder verließen von selbst die Gemeinschaft. Familien und Freundschaften zerbrachen an diesem Menschenwort. Es entstand viel Leid. Diese Trennungen bestehen zum Teil in den Familien noch heute. Es kann aus biblischer Sicht keine Botschaft göttlichen Charakters gewesen sein. Denn die Nichterfüllung dieser Botschaft ist nach 5. Mose 18,22 der Beweis für den nicht göttlichen Charakter dieser Worte. Auch wenn man krampfhaft versucht hat Begründungen und Erklärungen für das zu finden, was sich zugetragen hat: „Doch der Prophet, der sich vermessen sollte, in meinem Namen ein Wort zu reden, das ich ihm nicht befohlen habe zu reden, oder der im Namen anderer Götter reden wird: Dieser Prophet muss sterben. Und wenn du in deinem Herzen sagst: «Wie sollen wir das Wort erkennen, das nicht der Herr geredet hat?», wenn der Prophet im Namen des Herrn redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, das nicht der Herr geredet hat. In Vermessenheit hat der Prophet es geredet; du brauchst dich nicht vor ihm zu fürchten.“  – 5. Mos. 18, 20-22

Wer sich eingehender mit dieser sogenannten „Botschaft“ beschäftigen möchte, dem darf ich folgender Bücher empfehlen:

  • Lothar Gassmann, Die Neuapostolische Kirche – Gibt es wieder Apostel?, Logos-Verlag
  • Helmut Obst, Apostel und Propheten der Neuzeit, Vandenhoeck & Ruprecht
  • Karl Eugen Siegel, Der Repräsentant des Herrn, Lachesis Verlag
  • Helmut Obst, Neuapostolische Kirche – Die exklusive Endzeitkirche, Friedrich Bahn Verlag

Der letzte Stammapostel

„Ich bin der Letzte. Nach mir kommt keiner mehr.“ (1) „…, der Herr kommt zu meiner Lebzeit um die Seinen zu sich zu nehmen.‘ So verkündigte er in jenem Weihnachtsgottesdienst 1951 in Gießen. Er verkündigte es nicht als einen eigenen Einfall, sondern als eine Offenbarung, die er vom Herrn empfangen habe. Der Sohn Gottes selbst sei ihm begegnet, sagte er, und was der Herr verheißen habe, müsse sich erfüllen. Wie könnte er lügen? 

Mir ist vom Herrn die Zusage gegeben, dass ich nicht sterbe‘, versicherte er unzählige Male. Den Zweiflern entgegnete er: ,Ich wünsche nur das Eine, dass alle diese Zweifler so lange leben, bis der Tag des Herrn kommt. Dann werden sie sehen, welche Ernte ihnen der Zweifel eingebracht hat.‘“ (2) „Am 12. September 1954 sagte der Stammapostel in Stuttgart: ,Ich bin mir doch bewusst, wenn ich sterben würde – was nicht der Fall sein wird -, dann wäre Gottes Werk vernichtet.‘“ (3)

Das sind die Worte des Stammapostels Bischoffs. Am 6. Juli 1960 starb Johann Gottfried Bischoff in Karlsruhe! Nach den Worten dieses Stammapostels, der vermeintlich eine prophetische Gabe besaß, war er der letzte Stammapostel! Offensichtlich hat er sich geirrt!

Der exkommunizierte Stammapostel Peter Kuhlen

Wenig Beachtung findet in diesem Zusammenhang die sehr interessante Tatsache, dass es schon zu Lebzeiten des Stammapostels Bischoff einen weiteren Stammapostel der Neuapostolischen Kirche gab. Am 21.05.1948 wurde Peter Kuhlen zum Nachfolger J.G. Bischoffs in einer geheimen Wahl einstimmig gewählt. Am 01.08.1948 erfolgte die Ordination von Apostel Kuhlen als Nachfolger im Stammapostelamt mit den Worten „im Namen und Auftrag des Apostelkollegiums nimm hin das Stammapostelamt, dazu den Amtsgeist im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Dieser Geist macht in dir das Amt lebendig“. So ist Apostel Peter Kuhlen ins Stammapostelamt und nicht ins Stammapostelhelferamt ordiniert worden! (4) 1950, nur zwei Jahre später, behauptete Stammapostel Bischoff durch seinen Redakteur Erich Meier-Gewecke, dass: „…ihm der Herr noch keinen gezeigt hat, der das Gottesvolk auf Erden nach ihm weiterführen solle …“ (5)

Der Stammapostel Peter Kuhlen wurde 1954 aus der Neuapostolischen Kirche exkommuniziert. Er selbst zweifelte die sog. Botschaft nicht an. Er wurde exkommuniziert, da er diese sog. Botschaft nicht zum Dogma erheben wollte und sie nicht mit genug Nachdruck predigte.

Irrte sich J. G. Bischoff oder hat Gott seinen Plan geändert?

Dass sich der Stammapostel Bischoff irrte, möchte die Neuapostolische Kirche bis heute nicht wahrhaben. Früher hieß es: „Wir stehen deshalb vor dem unerforschlichen Ratschluss unseres Gottes und fragen uns, warum er seinen Willen geändert hat.“ (6) Neuere Formulierungen vom Stammapostel Wilhelm Leber lauten so: „Dass sich die Vorhersage von Stammapostel Bischoff nicht erfüllt hat, bleibt für mich eine ungeklärte Frage. … Über die wahren Zusammenhänge möchte ich kein abschließendes Urteil fällen. Vielleicht hat der Stammapostel Bischoff etwas falsch gedeutet, oder es wurden Bedingungen genannt, die wir nicht kennen.“ (7)

Man sollte meinen, dass die NAK nach dem Tod des Stammapostels Bischoff eine Zeit innehält und das Geschehene beurteilt. Immerhin hatte der Stammapostel prophetisch die Wiederkunft Christi zu seinen Lebzeiten angekündigt, starb dann aber doch. Doch hastig wählt man gegen die bestehende Satzung am 07.07.1960 durch Zuruf einen Nachfolger: Walter Schmidt. Dies geschah nur einen Tag nach dem Tode J. G. Bischoffs. Man erinnerte sich nicht an den exkommunizierten Stammapostel Peter Kuhlen!

© Lutz Jusko

Quellen:

1) Johann Gottfried. Bischoff, Gottesdienst, Gießen, 24.12.1951, zitiert nach: Karl Eugen Siegel, Die Botschaft von Stammapostel Bischoff im Selbstverlag, Stuttgart, 1991-1993, S. 5

2) K. Hutten, Ein Brief an die Neuapostolischen – Die „Stunde X“ ist gekommen, Quell-Verlag der Evangelischen Gesellschaft, Stuttgart, 1960, S. 1

3) a. a. O. S. 2

4) Dr. med. Erwin Meier-Widmer, Chronologie der Aera J. G. Bischoff mit Bezug zu den Ereignissen und Fehlentscheidungen in der NAK, Schaffhausen, 1998

5) Kalender „Unsere Familie 1951, Seite 35, Druck 1950, zitiert nach: Vereinigung der Apostolischen Gemeinden in Europa (VAG), Nachdenkliches über die Botschaft des Stammapostels J. G. Bischoff: „Ich sterbe nicht, der Herr Jesus kommt noch zu meiner Lebzeit wieder?

6) Brief d. Apostel an die Gemeinden, verlesen am 10 Juli 1960, o.O., zitiert nach: Helmut Obst a. a. O., S. 112

7) Stap. Wilhelm Leber, a. a. O. , S. 15


Bildnachweise:

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https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/55/Johann_Gottfried_Bischoff.jpg/440px-Johann_Gottfried_Bischoff.jpg

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Die neuapostolische Botschaft des J.G. Bischoff
Die neuapostolische Botschaft des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff
Peter Kuhlen Stammapostel der Neuapostolischen Kirche

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