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Entschlafenenwesen & Entschlafenengottesdienst –  Neuapostolische Kirche  und Spiritismus - Eine Kritik auf biblischer Grundlage

Neuapostolische Kirche Kritik
Entschlafenenwesen – Spiritismus

Spiritismus oder biblische Glaubenspraxis?

Was geschieht bei den dreimal jährlich stattfindenden Entschlafenengottesdiensten konkret? Die neuapostolischen Gemeinden beten weltweit für die Entschlafenen. Das ist zunächst wahrscheinlich nicht gefährlich, aber in Bezug auf ihren Zustand in der Ewigkeit sinnlos, wie wir weiter oben bereits festgestellt haben. Doch es passiert noch mehr: Die Gemeinde betet die ‚erlösungsbereiten‘ Seelen herbei! Die Gemeinde bildet gewissermaßen die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits. Auch die Gemeinde fungiert also als eine Art Medium! Dann vollzieht der Stammapostel am Altar an den Verstorbenen durch zwei Amtsträger als Medium (meist Apostel) die Taufe, die Versiegelung und reicht ihnen das Abendmahl.

Wir haben also folgendes: Das Herbeirufen der Verstorbenen, Medien, die als Kanal dienen und sakramentale Handlungen an Verstorbenen! Nach meinem Verständnis ist dies Spiritismus!

Dr. Kurt E. Koch schreibt in seinem Buch ‚Okkultes ABC‘ über die Neuapostolische Kirche diesbezüglich folgendes.

Die neuapostolische Versieglung der Verstorbenen gehört viel eher zum Gebiet des Spiritismus

„Die Vollmacht der Apostel reicht bis in den Hades, dem Bereich der Toten. Die Lebenden können nach dieser Lehre für die Toten eintreten, ja stellvertretend die Sakramente für die Toten empfangen, das heißt Taufe. Abendmahl und Versieglung. Als Belegstelle aus der Bibel nehmen sie die nicht kanonisierten Apokryphen 2. Makk. 12, 39f in Anspruch und aus dem Neuen Testament 1. Kor. 15, 29. Diese Bezugsstelle aus dem Korintherbrief ist an den Haaren herbeigezogen, Paulus hat weder die Vikariatstaufe (stellvertretende Taufe für die Toten) empfohlen noch verboten. Er erwähnt sie nur, weil zu seiner Zeit in den Gruppen der Essener und anderer sektiererischer Gruppen ein solcher Vorgang üblich war. Ein Beweis für die Berechtigung ist das nicht, auch nicht der Hinweis, dass Jesus den ‚Geistern im Gefängnis‘ (1. Petr. 3, 19) gepredigt hat. Die neuapostolische Versieglung der Verstorbenen gehört viel eher zum Gebiet des Spiritismus. Dazu ein Beispiel aus meiner Arbeit:

Wir wollen noch mal genauer hinschauen, was mit Luther im Jenseits geschehen sein soll. Wir müssen wissen, in der Katholisch Apostolischen Kirche, einem Wegbereiter der heutigen Neuapostolischen Kirche, gab es keine Entschlafenengottesdienste. Aber wie kann das sein? Waren die Apostel der KaK etwa nicht vom Heiligen Geist erfüllt und wussten so nichts von dieser ‚heilsnotwendigen Wahrheit‘? Wie auch immer, der Keim für Spiritismus war auch schon in den englischen Gemeinden der Katholisch Apostolischen Kirche angelegt. Man denke nur an die vielen angeblichen Träume und Visionen, die später zu den Apostelberufungen geführt haben, und an die übersinnlich und medial sehr begabten Schwestern der Familie Campbell:

Visionen und Gesichtes schon zu Beginn in Schottland

Lothar Gassmann zitiert in seinem Vortrag „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“: „Nun lebte nicht weit von der Hütte Grubbs entfernt die Familie Campbell. Der Vater Campbell war ein Geistlicher und hatte zwei Töchter. Die ältere Tochter hieß Isabell. Diese wurde wie eine Heilige verehrt. Menschen pilgerten zu ihr hin. Es gab offensichtlich auch da schon besondere Gaben und Erscheinungen. Isabell ist allerdings früh an Tuberkulose verstorben. Der Geist und die Verehrung gingen dann auf ihre Schwester Mary über. Beide Mädchen hatten die ‚Gabe der Weissagung‘ besessen und Visionen und Gesichte gehabt.

… ‚Diese Zeit war nun gekommen‘, wird behauptet. Nun wurde auch Mary Campbell eines Tages schwer krank. ‘Lungentuberkulose’ lautete wie bei ihrer Schwester die Diagnose. Und nun heißt es weiter: ‘An einem Abend lag sie dort, ohne ein Wort zu äußern, in stillem Gebet vertieft. Zwei Freundinnen waren bei ihr zu Besuch. Plötzlich erhob sie sich und trat auf ihre Füße. Sie redete in einer Sprache, die keiner der Anwesenden verstehen konnte. … Sie wurde mit Kraft und Stärke angefüllt; denn aus eigener Kraft konnte sie diese besonderen und geheimnisvollen Worte nicht äußern. Dann legte sie sich wieder auf ihr Bett und war so schwach wie zuvor. Dies geschah am 21. März 1830.‘“ 6)

Konvulsionen (Zuckungen, verbunden mit einem Aufbäumen) in Port Glasgow

Und die Familie MacDonald erlebte Ähnliches: „Gleichzeitig lebte am anderen Ufer des Clyde in der kleinen Stadt Port Glasgow eine wegen ihrer Gottesfurcht und Frömmigkeit allgemein geachtete Familie, namens MacDonald, bei der sich alsbald ähnliche Zustände einstellten. Die beiden Brüder James und George lebten mit einer kranken Schwester zusammen, die zuerst vom Geist ergriffen wurde. James … war einst um Mittag von seiner Arbeit nach Hause zurückgekehrt, als er seine leidende Schwester mitten in den Konvulsionen (Zuckungen, verbunden mit einem Aufbäumen des Körpers; L. G.) jener neuen Inspiration fand. Die erschrockene und betroffene Familie schloss daraus, dass sie ihrem Ende nahe sei; da wandte sie sich in langer Rede an James und schloss mit dem Gebet, dass er sofort möge mit der Kraft des Heiligen Geistes begabt werden. …

Augenblicklich sagte James ruhig: ‘Ich habe sie.’ Er trat ans Fenster und stand dort ruhig einige Minuten; seine Züge nahmen eine andere Gestalt an, mit majestätischem Schritt trat er an das Bett der Schwester und redete sie mit den Worten des 20. Psalms an: ‘Erhebe dich und stehe aufgerichtet!’ Er wiederholte die Worte, fasste sie bei der Hand und sie stand auf. Die Schwester hatte sich nicht nur für den Augenblick erhoben, sie war geheilt und sofort schrieb der Bruder an die anscheinend dem Tode nahe Mary Campbell und richtete an sie dieselbe Aufforderung mit demselben Erfolg (also eine ‘Fernheilung’ per Brief; L. G.). …

Die Kranke empfing den Brief mitten in der äußersten Schwäche, aber ohne hilfreiche Hand stand sie auf, erklärte sich für geheilt und war dem Leben wiedergegeben. Oft ließ sie sich nun als Inspirierte in großen Versammlungen hören, während die mehr nüchternen MacDonalds still und zurückgezogen ihre frühere Lebensart beibehielten.“ 7)

Der Aufstieg des Spiritismus in Europa

Diese Dinge geschahen in einem Zeitraum, in dem sich in Europa der Spiritismus ausbreitete (Justinus Kerner 1826, Seherin von Prevorst 1821 – 1829, Allan Kardec 1804–1869, Andrew Jackson Davis 1847). Ein Zufall?

Aber nun zurück zur Neuapostolischen Kirche, genauer gesagt zu zwei weiteren Wegbereitern: die ‚Allgemeine christliche apostolische Mission‘ (AcaM) und die Hersteld Apostolische Zendingkerk (HAZK), der holländisch-niederländische Zweig der Hamburger AcaM. Dort nämlich war der Hamburger Friedrich Wilhelm Schwarz tätig, der noch aus der Tradition der Katholisch-apostolischen Gemeinden geprägt war. Unter seiner Leitung geschah folgende: „… Schon in der Entstehungsphase der Neuapostolischen Kirche führte der Apostel Friedrich Wilhelm Schwarz im Rahmen umfassender Liturgiereformen am Himmelfahrtstag 1874 erstmals eine sogenannte Entschlafenentaufe durch. Seelsorgerlicher Anlass war die Frage nach der Heilsmöglichkeit für ein totgeborenes Kind in seiner Gemeinde. Schwarz knüpfte dabei an die Praxis der Fürbitte für Verstorbene in den Katholisch-apostolischen Gemeinden an. … Da die Taufe und die Versiegelung durch Apostel als heilsnotwendig galten, entwickelte sich die Praxis, beide Sakramente Verstorbenen zu spenden. Das geschah anfangs für namentlich genannte Einzelne (u. a. Martin Luther und andere Reformatoren) … “8)

Tatsächlich sollen 1874 Luther an Ostern sowie Zwingli, Melanchthon und Calvin und andere an Himmelfahrt des gleichen Jahres die sog. Versiegelung, durch mediale Vermittlung erhalten haben. Friedrich Wilhelm Schwarz schreib dazu: „Und denkt euch nur, am Ende des Gottesdienstes kam eine Weissagung (doch ich habe sie noch nicht empfangen): ‚Ich, der Herr … gedenke heute an meinen Knecht Martin Luther, damit er zu meiner Braut gehöre. Mein Knecht Verkruisen, gehe zu meinem Knecht, dem Apostel, und lasse dich taufen für meinen Knecht Martin Luther‘. Mithin gehört Vater Luther fortan zu den Erstlingen und wohl zum Stamme Juda!“ 9)

Fazit

Angesichts der oben genannten biblischen Schriftstellen lassen sich keine Handlungen entsprechend der sog. Entschlafenengottesdienste – wie sie in der NAK praktiziert werden – ableiten, geschweige denn ihre Korrektheit beweisen. Im Zusammenhang mit den biblischen Schriftbelegen, die ich weiter oben angeführt habe, muss man dieses Handeln als falsch beurteilen.

Selbst wenn wir nicht jede Möglichkeit des Heilsplans Gottes für jede einzelne Seele eindeutig kennen, dürfen wir doch nicht eigenmächtig versuchen, eine Möglichkeit zur Erlösung zu konstruieren. Dies müssen wir unserem Gott überlassen, der einzige, der Seelen retten kann.

Der Keim des Spiritismus wurde der NAK in die Wiege gelegt

Der Keim des Spiritismus war schon in der Katholisch Apostolischen Kirche angelegt. Dieser dämonische Einfluss setzte sich über die AcaM und der HAZK bis in die Neuapostolische Kirche fort. Ich selbst habe erschreckende Visionen während eines neuapostolischen Entschlafenengottesdienstes gehabt. Heute weiß ich, dass diese Visionen dämonischen Ursprungs waren. Denn Gott lässt diese Kontakte nicht zu: „Da sprach er (Lazarus): So bitte ich dich, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters sendest – denn ich habe fünf Brüder –, dass er sie warnt, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen! Abraham spricht zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören! Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun! Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten auferstände!“ – Luk. 16, 27-31

Aus diesem Grunde und auch aus weiten biblischen Schriftbelegen muss man Träume und Visionen von Verdorbenen als dämonische und satanische Verführungsversuche kennzeichnen.

Ein Gräuel für Gott

Wenn Menschen und vor allem sein Volk sich mit den Toten und mit allerlei Spiritistischem beschäftigt, ist das dem Herrn ein Gräuel: „Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, so sollst du nicht lernen, nach den Gräueln jener Heidenvölker zu handeln. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer, oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager, oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet. Denn wer so etwas tut, ist dem Herrn ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz.“ – 5. Mose 18, 9-12

Weitere Schriftstellen in diesem Zusammenhang: 3. Mose 19, 26; Gal. 5, 19-20; Apg. 19, 19)

Liebes Mitglied der Neuapostolischen Kirche, ich möchte Dich nicht persönlich angreifen. Mir ist aus eigener Erfahrung bewusst, dass es schwerfällt, diese grundlegenden Dinge des Glaubens auf den Prüfstand zu stellen. Ich möchte Dir aber helfen, den von Gott gelegten Weg der Errettung zu erkennen und Dich von diesen unbiblischen Handlungen der Entschlafenengottesdienste abhalten. Denn es ist unsinnig und unwirksam für die Verstorbenen sowie unbiblisch und dem Herrn ein Gräuel! Der einzige, der jubiliert, ist der Widersacher Gottes, weil seine Verführung Erfolg gehabt hat und er seinen dämonischen Einfluss ausweiten konnte.

Du musst Dich entscheiden

Ich bitte Dich, prüfe die Lehre, der Du folgst und die Dir verkündet wird, an dem geschriebenen Wort Gottes (1. Thess. 5, 21; Apg. 17, 11). Auch das, was ich geschrieben habe, übernimm nicht, ohne es an der Heiligen Schrift zu prüfen. Ergeben sich Widersprüche zwischen der Lehre, die Dir durch Menschen verkündigt wird und der Heiligen Schrift, dann musst Du Dich entscheiden: „Wem vertraue ich mehr, Gott, der sich durch die Heilige Schrift offenbart – 2. Tim. 3, 16, oder Menschen, die irren können?“ „Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ – 1. Kor. 3, 11 „…damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen (einzigen) Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ – Joh. 3, 15-16

© Lutz Jusko

Quellen:

1) Katechismus der Neuapostolischen Kirche, 9.6 Hilfe für Entschlafene, http://www.nak.org/de/katechismus/9-das-leben-nach-dem-tod/96-hilfe-fuer-entschlafene/

2) Katechismus der Neuapostolischen Kirche, 9.6.3 Heilsvermittlung an Verstorbene ,http://www.nak.org/de/katechismus/9-das-leben-nach-dem-tod/96-hilfe-fuer-entschlafene/963-heilsvermittlung-an-verstorbene/

3) William Mac Donald, Kommentar zum Neuen Testament, S.1345, Christliche Literatur-Verbreitung e.V., Bielefeld, 1992

5) Dr. Kurt E. Koch, Okkultes ABC: Ergänzungsband zum Buch „Seelsorge und Okkultismus“, 4. Auflage, 1996, Bibel- und Schriftenmission

6) Dr. theol. Lothar Gassmann, Auszüge aus einer Vorlesung an der Freien Theologischen Akademie Gießen

7) Zit. nach: Ev. Kirchenzeitung, Berlin 1864, S. 283. / Lothar Gassmann

8) (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, https://ezw-berlin.de/html/3_3051.php)

9) De Herinnering, April/Mai 1874, Hrsg. Friedrich Wilhelm Schwartz, zitiert in: Das Entschlafenenwesen, S. 70ff.

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