Betrachtungen

Die neuapostolische Taufe

Mit allen Wassern gewaschen?

Besprengung oder Eintauchung

Für eine Gemeinschaft, die von sich behauptet ein Abbild der urchristlichen, biblischen Gemeinde zu sein, sollte es selbstverständlich sein, die Segenshandlungen in biblischer Weise durchzuführen. Wurde zu neutestamentlicher Zeit durch das Benetzen der Stirn oder durch Untertauchen getauft? Dieser Frage wollen wir aus verschiedenen Blickwinkeln auf den Grund gehen.

Etymologie

Das Wort „taufen“ des Neuen Testaments „baptizein“ bedeutet ein- oder untertauchen. In diesem Sinne wird es im Griechisch des Neuen Testaments verwendet. Alle wesentlichen Wörterbücher (z.B. Biblisch- theologisches Wörterbuch von H.D. Cremer, Lexikon Graeco-Latinum von Grimm, Wörterbuch zum NT von Bauer/Aland usw.) übersetzen bzw. beschreiben „baptizein“ im Sinne von eintauchen oder untertauchen.

Archäologie

Es wurden so genannte Baptisterien aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt gefunden, aus deren Beschaffenheit man schließen kann, dass eine vollständiges Untertauchen während der Taufe erfolgte. Diese Baptisterien enthalten große Taufbecken mit hinabführenden Stufen. Sehr bekannt ist das Baptisterium des Laterns in Rom. In Fonte zu Ravena existiert eine solche Taufkapelle noch aus dem 5. Jahrhundert mit einem Becken aus Marmor. In Qumran führten die Essener (eine jüdische Sekte) ihre rituellen Waschungen durch Untertauchen (hebräisch Tabal) schon ca. 100 Jahre vor Christi Geburt in entsprechenden Becken durch. Diese Becken kann man noch heute in der Nähe des Toten Meeres besichtigen.

Jüdische Tradition

Nicht erst seit der Bußtaufe des Johannes ist die Eintauchung bekannt. Auch zur Zeit des Alten Testaments wurde im Judentum eine rituelle Waschung und die Proselytentaufe praktiziert. Auch die Essener (siehe oben) kannten eine rituelle Waschung (Lustration) durch Untertauchen. Wo immer von rituellen Bädern in Bezug auf jüdische Verhaltensweisen gesprochen wird (z.B. im Talmud; Justin, der Märtyrer; Epitet usw.) ist ein Untertauchen bzw. Eintauchen gemeint. „Von den Juden in Afrika sagt Tertullian, dass sie täglich baden, weil sie täglich verunreinigt werden ...Die aus dem Judentum hervorgegangenen Sekten, wie die Morgentäufer u. a. haben ebenfalls das Untertauchen bei ihren vielen rituellen Waschungen ausgeübt. “.(Die Biblische Taufe, Roland Odenwald) Die rituelle Waschung durch Untertauchen muss den Juden zur Zeit Jesus bereits bekannt gewesen sein. Sonst ließe sich nicht erklären, warum selbst Pharisäer und Sadduzäer, die schriftkundig (AT) waren, zur Taufe des Johannes strömten:

“...und es wurden von ihm (Johannes) getauft im Jordan, die ihre Sünden bekannten. Als er aber viele von den Pharisäern und Sadduzäern zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Schlangenbrut, wer hat euch unterwiesen, dem zukünftigen Zorn zu entfliehen?“ (Mt 3,6-7)

Die „Kirchenväter“

Offensichtlich kannten die „Kirchenväter“ zunächst nur das Untertauchen als Taufhandlung. Erst später gibt es Hinweise darauf, dass das vollständige Untertauchen durch ein Begießen und Besprengen abgelöst werden sollte. In der Didache (Lehre der Apostel - Frühchristliche Schrift) findet sich eine Erlaubnis des Begießens nur für den Fall, dass eine Eintauchung nicht vollzogen werden kann. Ansonsten soll lebendiges (fließendes) Wasser verwendet werden.

Theologische Wissenschaft

Die wissenschaftliche Theologie ist sich im wesentlichen einig über die Frage wie in der biblischen Gemeinde getauft wurde. Noch bis ins 12. Jahrhundert hinein galt auch in der römisch-katholischen Kirche das Untertauchen als die übliche Taufform. So schreibt beispielsweise Prof. Hagenbach in seiner „Kirchengeschichte der ersten sechs Jahrhunderte“ (4.Aufl., S. 291) : „Dass die Taufe anfänglich im Freien vollzogen wurde, in Flüssen und Teichen, und zwar durch Untertauchen, ist aus der Geschichte des NT bekannt. Später errichtete man große Taufbecken und Taufkapellen (Baptisterien). Indem der zu Taufende mehrere Stufen in den Wasserbehälter hinunterstieg und dann mit dem ganzen Leibe unter das Wasser getaucht wurde, trat das Bild des „Begrabenwerdens in den Tod CHRISTI” und des „Wiederaufstehens aus dem Grabe” mit aller Macht vor die Seele, was bei der späteren Besprengung nur allzu sehr zurücktrat. Die Besprengung wurde anfänglich nur bei Kranken angewendet, die sich auf dem Totenbett noch taufen ließen und bei denen die Taufe durch Untertauchen nicht mehr ausführbar war.”
(Zitiert über „Die Biblische Taufe, Roland Odenwald)

Biblische Hinweise

Man taufte da wo viel Wasser vorhanden war, welches ein vollständiges Untertauchen nahelegt:

„Aber auch Johannes taufte in Enon, nahe bei Salim, weil viel Wasser dort war. Und sie kamen dahin und ließen sich taufen. (Joh 3,23)

Der Täufling und der Täufer steigen ganz ins Wasser:

„Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube kommen.“ (Mt 3,16)

„Und er hieß den Wagen anhalten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufgestiegen waren, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; denn er zog fröhlich seines Weges.“ (Apg 8,38-39)

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