Betrachtungen

Die Apostel Christi und die Neuapostolische Kirche

Misstrauensantrag gegen Gott

Wie schon erwähnt, sieht der neuapostolische Gläubige die Notwendigkeit einer Prüfung seiner Glaubenslehre überhaupt nicht, weil er ja von ihrer absoluten Richtigkeit zutiefst überzeugt ist. Hinzu kommt, dass er jahrzehntelang nichts anderes gehört hat, als dass ein Prüfen der eigenen Lehre einem Misstrauensantrag gegen Gott gleichkäme, also Unglaube und somit Sünde sei. Und da er natürlich nicht gegen Gott sündigen will, weil er Gott fürchtet -dies es müssen wir anerkennend festhalten!- lässt er das Prüfen seiner eigenen Glaubenslehre gleich ganz sein. Jedes Prüfen ist also von vornherein emotional mit dem Gedanken belastet, dass man etwas Unerlaubtes, ja etwas Verbotenes tut. Es wird sofort in den Bereich der "Anfechtung vom Satan" eingeordnet. Wenn wir verstehen wollen, wie es zu einem solchen Denken des neuapostolischen Gläubigen kommen konnte, müssen wir uns mit der Lehre der Neuapostolischen Kirche (NAK) näher befassen.

Nach Auffassung der NAK ist die Bibel das Wort Gottes an die Generationen vergangener Zeiten. Das geschriebene Wort der Heiligen Schrift sei für unsere heutige Zeit nicht mehr zeitgemäß. So bezeichnete die "Wächterstimme" vom 1.10.1956 das Wort der Bibel als "abgestandenes Zisternenwasser" und als "Asche des Gedächtnisses". Zeitgemäß sei dagegen das Wort der heute in der NAK lebenden Apostel, denen Gott den Dienst der Versöhnung gegeben hat, um in der letzten Zeit das Erlösungswerk, welches Jesus Christus begonnen hat, zu vollenden. Die Apostel der NAK seien also das alleinige Sprachrohr Gottes in unserer Zeit. Damit sagen die Führer dieser Kirche nichts anderes, als dass ihr Wort allein "Gottes Wort" sei und damit zugleich der alleinige Maßstab, außer dem es keinen anderen Maßstab gäbe. Wen wundert es da noch, dass bei einem solchen Selbstverständnis der NAK-Führer es kein Neuapostolischer wagt, irgend etwas an seinem Apostel oder seiner Kirche in Frage zu stellen? Er würde ja damit Gott selbst in Frage stellen! Da sein Denken durch diese Lehre jahrelang geprägt worden ist, vermag er keine Kritik in sich aufkommen zu lassen. Mit auch nur der geringsten Kritik gegen seinen Apostel greift er ja Gott an, wie er meint. Damit haben die NAK-Apostel ihre Schäfchen völlig in der Hand. Sie können ihnen erzählen, was sie wollen, es ist immer "Gottes Wort".

Nun können wir auch verstehen, warum ein NAK-Mitglied in größte Gewissenskonflikte kommt, wenn sich in seinem Inneren Kritik und Widerspruch gegen seine Kirche und deren Führer regt. Es muss jede Kritik im Keim ersticken, damit es nicht "gegen Gott" sündigt. Mit der Behauptung, dass die Bibel nicht das Wort Gottes sei, haben die Führer dieser Kirche ihren Mitgliedern den von Gott vorgesehenen Maßstab zum Prüfen geistlicher Vorgänge endgültig aus der Hand genommen. Sie selbst sind der Maßstab, was sie sagen, ist Gottes Wort! Dadurch ist jede Möglichkeit einer geistlichen Beurteilung dieser "Apostel" für ihre Mitglieder von vornherein unmöglich gemacht. Bei einem solchen Vorgehen drängt sich einem unweigerlich der Verdacht auf, dass die Führer dieser Kirche das Licht der Bibel fürchten. Um nicht von ihr beurteilt zu werden, verbannt man sie einfach in die Vergangenheit und damit in die Bedeutungslosigkeit.

Kein Maßstab

Mit dieser Irrlehre steht die NAK im krassen Widerspruch zur Heiligen Schrift. Denn es ist ja gerade Paulus, der als Apostel die Gemeinde auffordert, alles zu prüfen (!) und das Gute zu behalten (1.Thes.5,21). Und der Apostel Johannes schreibt: "Prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind!" (1.Joh.4,1). Offensichtlich rechneten die Apostel mit dem Einschleichen falscher Lehrer, die die Gemeinde verführen und verderben. Wie soll man aber etwas prüfen, wenn kein Maßstab zum Prüfen vorhanden ist? Um etwas prüfen zu können, braucht man einen Maßstab, mit dessen Hilfe man etwas prüfen kann. Dieser Maßstab war für die ersten Christen die Heilige Schrift, d.h. das Alte Testament, welches vorlag. "Prüfet alles", sagt Paulus in 1.Thes. 5,21. Auch das Wort der Apostel? Achten wir genau auf das, was Paulus sagt. Wenn er alles sagt, meint er auch alles! Paulus fürchtete nicht eine Prüfung seines Wortes oder seiner Lehre. Seine Lehre über Gott und über Christus stand in völliger Übereinstimmung mit den Heiligen Schriften des Alten Bundes. Von den Christen in Beröa erfahren wir, dass sie täglich in der Schrift forschten, ob es sich also verhielte, ob das, was die Apostel lehrten, mit den Schriften des Alten Bundes übereinstimmte (Apg.17,11).

Nun könnte jemand einwenden: Und was ist mit den Offenbarungen der Apostel, von denen die Gottesmänner des Alten Bundes noch keine Kenntnis hatten? Woran haben die ersten Christen diese prüfen können? An den Schriften des Alten Bundes ja wohl nicht, denn darin stand ja noch nichts davon. Z.B. wurde dem Apostel Paulus das Geheimnis der Gemeinde geoffenbart! Diese Frage ist berechtigt.

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